Das Unternehmen Aufklärung

Georg Mascolo, Chefredakteur des SPIEGEL: "Das Geheimnis des Staates kann nicht das Geheimnis des Journalisten sein"

Was er erfährt, dass soll der Journalist auch veröffentlichen. Der Staat hat kein Recht auf Wahrung seiner Geheimnisse, wenn diese aus ihrer Schattenwelt entweichen. Früher war das anders: Wer Staatsgeheimnisse verbreitete wurde bestraft. Das galt lange Zeit auch dann, wenn durch den Geheimnisverrat illegale Aktionen der Obrigkeit aufgedeckt wurden. Aufgrund einer solchen Anklage starb Carl von Ossietzky im KZ. Noch bei der Spiegel-Krise des Jahres 1962 wurde der Herausgeber Rudolf Augstein wegen Veröffentlichung eines illegalen Staatsgeheimnisses verhaftet und angeklagt. Die darauf entbrennende öffentliche Diskussion endete mit dem Abgang des Ministers Strauß und bildete den Abschluss der Adenauerzeit. Im 21. Jahrhundert bildet ÖFFENTLICHKEIT eine der wenigen vertrauenswürdigen Formen der GEGENMACHT. Im Zeitalter der Globalisierung in dem wirtschaftliche und politische Systeme aus dem Ruder laufen, ist diese Öffentlichkeit unverzichtbarer als je. Georg Mascolo, einer der zwei Chefredakteure des Spiegel, berichtet über den Umgang mit WikiLeaks, die Bedeutung der Öffentlichkeit und die Themen-schwerpunkte in der Welt, die auf eine journalistische Antwort warten. Das Gespräch fand auf der Münchener Sicherheitskonferenz 2011 statt.