Primetime vom 10.09.1995
Dschingis - Khan gegen Clausewitz
Es gehört zur Logik des Krieges, sagt Clausewitz, daß er seine Mittel in einer für die Vernunft nicht mehr fassbaren Weise steigert, wenn er anders nicht zu einer Entscheidung gelangen kann. Die Beispiele, die Clausewitz in seinem Buch "Vom Kriege" bringt, stammen aus den Kriegen Napoleons und Friedrich II. von Preussen. Die Thesen von Clausewitz haben sich aber auch für die Krieger zwischen den Industrienationen im 20. Jahrhundert als zutreffend erwiesen: Im Krieg werden alle Mittel eingesetzt. Das gilt für Bosnien genauso wie für die Schlacht von Verdun.
Auch Dschingis-Khan gilt nicht als gemütlich. Er hätte es aber, sagt der Publizist Jörg Friedrich, in einem Schützengraben des 1. Weltkriegs nicht ausgehalten. Gerade hier aber kann man sehen, wie klarsichtig Clausewitz auch ihm völlig unbekannte Zukunftskriege analysiert hat. Das besondere an der Schlacht von Verdun, sagt Jörg Friedrich, ist, daß es zu keiner Entscheidung kommt, da die fast gleich starken Gegner, die sich mit den Mitteln der Industrie massakrieren, diese Entscheidung weder erreichen können noch wollen. Deshalb verlagert sich die Suche nach dem Schwachpunkt des Gegners in die jeweilige Heimat: die wehrlose Zivilbevölkerung soll getroffen werden: im 1. Weltkrieg ausgehungert, im 2. Weltkrieg bombardiert.
Wieder werden immer die Schwächsten am meisten getroffen. So ist die Logik des Krieges.