News & Stories vom 31.10.1994
Kriegsrhetorik von 1914 und der Amoklauf Frankensteins
Die deutschen Dichter, darunter Thomas Mann, Bert Brecht, Hofmannsthal, haben den Kriegsausbruck 1914 als Wende, als eine Art von neuem Leben, als Anbruch einer neuen Zeit Gefeiert. Später haben andere Dichter das Chaos der Materialschlachten und die tödliche Wirkung des Krieg zur Apokalypse hin übertrieben. Wie kommt es, dass die Dichtkunst zunächst so wenig von den Erfahrungen wiedergibt und dann übertreibt?
Eine Gegenwelt tut sich auf, wenn man auf die Trivialliteratur blickt: Landserhefte, populäre Darstellungen des Kriegs, Biografien. Hier findet sich deutlich reichere Erfahrung als in der gehobenen Literatur.
Der Romanist Dr. Joseph Vogl, ein Schüler des französischen Meisterdichters Foucault und Mitherausgeber einer Sammlung der Kriegslyrik von 1914, charakterisiert die Formenwelt der Bahnhofskioske und Heftchenliteratur: Kriegshefte, Liebesromane, Arztromane.
Am Beispiel von Frankenstein entwickelt er die Karriere des Amokläufers: von Frankenstein zu "The Blade Runner". Die Frau des englischen Dichters Shelley hat die Figur des Frankenstein erfunden.