News & Stories vom 30.01.1995

Fiktion des 20. Jahrhunderts: Der Sternenkrieg

Wie der politische Opportunismus in Reykjawik für einen Moment innhielt
Valentin Falin war auf dem Gipfeltreffen zwischen Reagan und Gorbatschow in Reykjavik einer der Hauptberater. Zugleich ist er Historiker. Er beschreibt, wie das SDI-Projekt und die Konzeption des Kalten Krieges in Reykjavik beendet wurde. In den 60er, 70er und 80er Jahren fanden militärische Unfälle statt, die geheimgehalten wurden und von denen jeder zum Weltkrieg hätte führen können. Das Prinzip des "automatischen Krieges" war für die Erde lebensgefährlich. Mit der Rüstung für den Krieg im Kosmos wären die Lobbies der Rüstungsindustrien in Ost und West zu einer endgültigen Lösung gekommen: Der Welttraum ist ein Markt ohne Grenzen für Rüstungsgüter. Gorbatschow verhielt sich so, wie es in der Diplomatie unüblich ist: Als er bemerkte, dass die Abrüstung auf Erden zu einem Aufrüsten im Himmel führen sollte, brach er die Gipfelkonferenz ab. Zum ersten Mal seit 1953 folgte zwischen den Supermächten nicht auf den Schachzug der Gegenschachzug, sondern eine grundsätzliche Verweigerung. Diesen spannenden Moment schildern in unserem Magazin Valentin Falin und Michail Gorbatschow als Zeitzeugen: "Wie der politische Opportunismus in Reykjavik einen Augenblick zum Stehen kam".