News & Stories vom 29.11.2009

Mediale Konstruktion eines tödlichen Rätsels

Karl Heinz Bohrer über die Wucht antiker Tragödien
Die großen Tragödien der griechischen Antike sind, so Karl Heinz Bohrer, keine Lehrstücke zu Erziehung des Menschengeschlechts. Sie sind großartige Kunstwerke (blind gegen bloße Einsicht), die den Schrecken, die Klage und die Trauer als eine zweite Wirklichkeit generieren. Diese Tragödien schaffen einen öffentlichen Ausdruck, der einzigartig ist. Sie haben keinen anderen Zweck als die Macht des Erhabenen sichtbar zu halten. Karl Heinz Bohrer, Herausgeber der Zeitschrift MERKUR, Hochschullehrer in Stanford/USA, fordert, diese mächtigen Werke von den Fesselungen der Klassik und der Romantik (und überhaupt des 19. und 20. Jahrhunderts) zu befreien und in ihrer unverkürzten Schönheit, auch mit unverfälschtem Schrecken, wahrzunehmen. Davon handelt sein jüngstes Buch "Das Tragische: Erscheinung, Pathos, Klage". Karl Heinz Bohrer über die Wucht der antiken Tragödien.