News & Stories vom 22.01.1996

Verrückte Entschlossenheit als Kennzeichen des Kriegs in Jugoslawien

Ein Überblick von Peter Sartorius, der als Journalist von Anfang an dabei war.
Warum schießen Heckenschützen bevorzugt auf Reporter? Was war die Idee der Gründung "Südslawiens" nach 1918? Was verbindet das Attentat in Sarajevo im Sommer 1914 mit der heutigen Krise, die die Weltmächte beschäftigt? Die Wurzeln des Konflikts reichen bis auf die Reichsteilung im Jahre 395 zwischen Byzanz und Westrom zurück. Schon damals entstanden Militärprovinzen, deren Bevölkerungsteile gegeneinander in Stellung gebracht wurden: griechisch-orthodox, katholisch. Nach dem Untergang von Byzanz rückten die Türken in die Position Ostroms, die Habsburger in diejenige Westroms. Auf der Berliner Konferenz Ende des vorigen Jahrhunderts wurde Bosnien-Herzegowina, ehemals türkisches Gelände, an Habsburg verscherbelt.

Peter Sartorius, Leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung, hat bereits beim Auseinanderbrechen des jugoslawischen Bundesstaats vor Ort beobachtet und immer erneut in seinen Berichten auf der Seite 3 der Süddeutschen Zeitung den Konfliktherd beschrieben. Was ist der Hintergrund Franjo Tudjmans, einem Oberst in der Partisanenarmee Titos und Historikers? Wie kommt es zu den diplomatischen Schnellschüssen von Hans-Dietrich Gentscher, unmittelbar vor dem Weihnachtsfest 1991, und damit zur Anerkennung Kroatiens und Sloweniens? Wie hängen Geschichte und Gegenwart in diesem mörderischen Geschehen, das in Bosnien-Herzegowina stattfindet und stattfand, zusammen?