News & Stories vom 18.11.1996
Rossini
Das Genie der Beschleunigung in der Musik
Es ist auffallend, wie sehr sich Rossinis schwunghafte Musik, sowohl von der Klassik des 18. Jahrhunderts wie von der Romantik des 19. Jahrhunderts unterscheidet. Rossini komponierte für ein besonderes, inzwischen verschollenes Zwischenjahrhundert, das nur 26 Jahre dauerte (1789-1815). Man kann dieses verschwundene Jahrhundert nennen: 18 plus oder das Empire. In dieser Zeit revolutioniert sich das Nervensystem der Menschen und ihr Organisationstalent. Alle Horizonte bewegen sich schneller, bevor sich die Nationen im anschließenden 19. Jahrhundert wieder zur Ruhe begeben.
Rossini hat, als junger Mensch des Zwischenjahrhunderts, wie niemand zuvor oder nach ihm, die Beschleunigung in der Musik eingeführt. Schon in den Ouvertüren und in den ersten Akten packt er sein Publikum, reißt es zu Begeisterungsstürmen hin und verbraucht die gesamte Handlung. Es ist typisch, dass in den Rossini-Opern nach dem Höhepunkt des Finales im ersten Akt nichts mehr passiert. Dabei ist Rossini eine offene Fundgrube. Immer erneut werden unbekannte Fragmente gefunden.
Dr. Manfred Osten, Generalsekretär der Alexander von Humboldt - Stiftung und Musikkenner, berichtet über Rossini, das Genie der Beschleunigung. Auch über die interessanten Begegnungen Rossinis mit Goethe, Beethoven und Wagner. Eine Vertonung von "Faust, II. Teil" durch Rossini war ebenso geplant, wie ein gemeinsames Werk von Goethe und Rossini anlässlich von Napoleons Gipfelkonferenz in Erfuhrt: eine Dramatisierung von Caesars Tod mit der Besonderheit, dass das Attentat fehlschlägt und der Kaiser gerettet ist. Zu Ehren des Korsen. In Musik umgesetzt von Rossini.