News & Stories vom 10.08.1998
Ein Mensch, Zwei Ökonomien
Oskar Negt über den Kampf der Lebenswelt gegen die Systemwelt.
Das Ende des 20. JH ist durch einen allseitigen Sieg der freien Wirtschaft charakterisiert, der sog. ersten Ökonomie. Sie regiert die Börsen, die Globalisierung, die Weltmärkte, die Produktion. Daneben besteht aber, seit es Menschen gibt, eine ZweiteÖkonomie. Nach ihr bilden sich die Lebensläufe, die Lernprozesse, die Intimsphäre, Zuneigung und Abneigung, die Generationsverträge und alles, was die Lebenswelt ausmacht.
In Wahrheit kann es, sagt der Philosoph und Sozialforscher Oskar Negt, im Kampf der Lebenswelt gegen die Systemwelt keinen endgültigen Sieger geben. Die Erste und die Zweite Ökonomie finden entweder zu ihrem Zusammenhang oder sie gehen beide unter. Hierüber kann man sich nur kurzfristig täuschen. Es ist immer e i n Mensch, in dem sich die beiden Ökonomien realisieren. Ein Blick auf die Landkarte des "subjektiven Gemeinwesens", aus dem die Menschen innerlich bestehen: Was daran ist völlig neu? Was ist Jahrtausende alt? Was davon läßt sich leicht täuchen und ist für leichtfertige Ökonomien und Raubbau offen?
Die stärksten Gefühle, sagt Oskar Negt, nehmen an überhaupt keinem Tausch teil. Ihre Ökonomie beruht nicht auf Kaufen und Verkaufen.