News & Stories vom 01.02.1999

Die Idee des "verlorenen Gesichts"

Physiognomie Hitlers
Vor 1923 gab es keine Abbildung von Hitler in der Öffentlichkeit. Der SIMPLICISSIMUS veröffentlichte eine Reihe von Karikaturen: physiognomische Fahndungsbilder, die den "unbekannten Hitler" darstellten. Eine U.S.-Agentur bot astronomische Summen für ein "echtes Foto". Von 1923 bis zum Kriegsausbruch wurde dann das Bild des Führers und späteren Reichskanzlers Adolf Hitler systematisch und propagandistisch aufgebaut. Die Gegener versuchten vergebens dieses Bild durch Karikaturen zu demolieren.

Wie kommt es zu der propagandistischen Wirkungs seines Gesichts? Was wird in dieses Gesicht hineininterpretiert? Wie sieht Hitler wirklich aus? Priv.-Doz. Dr. habil Claudia Schmölders, die Verfasserin eines führenden Werks über Physiognomik (SPRACHE DES GESICHTS) über das Gesicht Hitlers. Sie sieht die Entstehung diese öffentlichen Bildes auf dem Hintergrund der "Suche nach dem verlorenen Gesicht", die in Deutschland nach dem Erlebnis des 1. Weltkriegs und unter dem Eindruck der Niederlage von 1918 in breiten Bevölkerungskreisen einsetzt. Auf dieses Bedürfnis antwortet etwas, das im Gesicht Adolf Hitlers entweder tatsächlich enthalten oder durch die systematische, öffentliche Darstellung hineingelegt wurde: "Die Idee des verlorenen Gesichts".

Was für ein Gesicht hat Hitler? Schmölders Buch heißt: "Hitlers Gesicht. Eine physiognomische Biographie." Erschienen bei Beck München 2000.