10 vor 11 vom 02.10.2000

Die Unberührbare

Oskar Roehlers bewundernswerter Film über eine "verlorene Generation"

Es gehört zu den seltenen Ereignissen, daß Filme aus Deutschland zu den Internationalen Filmfestspielen in Cannes eingeladen werden. Oskar Roehlers S/W-Film wurde spontan eingeladen. Er erhielt den diesjährigen Bundesfilmpreis in Gold. In dem Film beschreibt Oskar Roehler das grandiose Ende seiner Mutter, der Schriftstellerin Gisela Elsner, die zur Gruppe 47 gehörte. Wie in dem Roman DON QUICHOTE, ist die Darstellung gleichzeitig tragisch, komisch, liebevoll und kritisch. Die Stärke des Films liegt darin, daß wenige, einzelne Eigenschaften dieser imponierenden Frau herausgegriffen und in den Rhythmus des Films umgesetzt werden. Die Stärke des Films liegt in seiner Abstraktion. Die Schauspielerin Hannelore Elsner hat in bewundernswerter Weise dieses Raster mit Leben ausgefüllt. Oskar Roehler schafft eine Brücke zu jener Generation, die der der 68er vorausging. Die Ideale dieser Generation und die enormen Lebensenergien paßten kurze Zeit später schon nicht mehr auf die veränderte Zeit ("Zeitentzug"). Requiem für eine "verlorene Generation".