Die Ohren sind ein Hirn für sich

Harvard-Prof. Hamilton über Musik und Wahnsinn

Seit der Antike begleitet die Musik die menschliche Erfahrung. Dabei besitzt sie, sagt der Harvard-Professor John T. Hamilton, eine glückliche, tröstende und eine unheimliche Seite. Darüber arbeitet er in seinem Projekt "Musik und Wahnsinn". Da, wo die Sprache aufhört, beginnt die Musik. Dort, wo die Begriffe nicht mehr gelten, beginnt auch der Wahn. An Beispielen von Heinrich von Kleist, E.T.A. Hoffmann, des Orpheus-Mythos und an Ausschnitten von ORFEO von Monteverdi und anderen Opern zeigt Hamilton die emotionale Verknüpfung in diesem Zusammenhang: Musik ist nicht harmlos, sie besitzt auch Gewalt. So ist Orpheus fähig, die Götter der Unterwelt mit seiner Musik zu rühren. Kurze Zeit später wird er von den wilden Frauen Thessaliens umgebracht. So ist zwar die Flöte ein Naturprodukt, die wunderbare und poetische Lyra stammt dagegen aus den Sehnen im Hals des abgeschlagenen Hauptes der Medusa. Die Musik, behauptet Professor Hamilton, ist eine zweite Sprache der Menschen, vermutlich die ursprüngliche. Die Ohren nämlich sind ein "Hirn für sich". Begegnung mit Prof. John T. Hamilton.