Alles für die Schuhe

Ulrike Sprenger: Von der Marke „Salamander“ bis zu den Schuhen der Comtesse Greffulhe

Zu den legendären Stummfilmen zählt Ernst Lubitschs Film über den Schuhpalast Pinkus. Der Meisterregisseur spielt darin auch die Hauptrolle. Es geht um Schuhe. Die Fußsohle, die Füße und die richtige Passform von Schuhen entscheidet über Schicksale. In dem Film gewinnt ein junger Schuhverkäufer (Lubitsch) gegen alle Wahrscheinlichkeit eine schöne Frau und ein Vermögen. Mao Tse Tung kritisierte einst seine bürokratischen Gegner, indem er ihnen vorwarf, dass sie „die Füße beschneiden, damit der Schuh passt“. Der Hinweis zeigt, wie sehr der Fuß und seine Bekleidung zu den Errungenschaften der Menschheit gehört (wie das „Kochen“, das die rohe Natur überwindet). Die Schuhfabrik Salamander entwickelte um die Jahrhundertwende (und dann unter Neuerungen bis tief ins 20. Jahrhundert hinein) das Prinzip „Schuhe für alle“. Fabrikmäßig und zugleich in hoher Qualität. Makaber dann, nach der Enteignung des jüdischen Unternehmens durch die Nationalsozialisten, wie dieses Unternehmen eine Rennstrecke zum Testen von Militärschuhen einrichtete. Insassen von Konzentrationslagern mussten dort in schwerem Fußwerk über Tag und Nacht laufen, um den Verschleiß zu testen. Für viele der Gefangenen führte das zum Tod. In der Haute Couture bildet der Schuh eine Spitzenkunst. Den Dichter Marcel Proust faszinierten die Schuhe der Göttin der Pariser Mode, der Komtesse de Greffulhe (sie gehört zu den Vorbildern zu Prousts Romanfigur Herzogin von Guermantes). Über dies alles berichtet Ulrike Sprenger, Romanistin an der Universität Konstanz. Sie interpretiert auch die einzige Filmaufnahme von Marcel Proust, die es gibt. Weniger als eine Minute lang. Es geht um Mode.

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