10 vor 11 vom 28.08.1989

"Die Macht des Schicksals"

In der Reihe: Der imaginäre Opernführer
Der Titel der Oper "Die Macht des Schicksals" von Verdi ist sprichwörtlich geworden. Wie kommt es, dass das Schicksal so mächtig ist? Wie entsteht jener Moment, in dem keiner der Beteiligten mehr ein vernünftiges Wort findet, aber alle reden? Wie kommt es zu dem verhängnisvollen ersten Gewaltakt, der dann in seinen Konsequenzen immer neue Gewalt hervorruft?

Die Schlüsselszene hierzu ist der 4. Auftritt im 1. Akt der Oper "Die Macht des Schicksal". Die Lage auf dem Tien An Men - Platz in Peking, die die verhängnisvolle Entwicklung in China auslöste, ist in den Einzelheiten der Schlüsselszene, die in der Oper beschrieben wird, auf verblüffende Weise verwandt, sobald es gelingt, den Erfahrungsgehalt der beiden getrennten Szenen (das eine Fiktion, das andere Realität) zueinander zu übersetzen. Eine solche Übersetzung versucht Oskar Negt, der China bereist hat und die Bücher "Öffentlichkeit und Erfahrung" und "Geschichte und Eigensinn" verfasst hat.

Eine Sendung aus der Reihe der imaginäre Opernführer.