10 vor 11 vom 15.01.1996

Portrait Theo Angelopoulos

Aus Anlaß seinen neuesten Films Der Blick des Odysseus
Theo Angelopoulos ist einer der angesehensten Filmregisseure in Europa. Den Durchbruch erzielte er durch seinen Film "O Thiassos" (Die Wanderschauspieler). Sein neuester Film "Der Blick des Odysseus", der jetzt in die deutschen Kinos kam, erhielt in Cannes den Preis der Filmkritik und den Jury-Preis für Regie. Theo Angelopoulos, 1935 geboren, war sechs Jahre alt, als er 1941 dem ersten deutschen Soldaten begegnete. Die deutsche Heeresgruppe F besetzte damals Athen. Weinachten 1944 zog die deutsche Besatzungsmacht ab und Griechenland geriet in einen Bürgerkrieg zwischen der königstreu-britischen Partei und der politischen Linken. Von diesen Ereignissen 1941 und 1944 handeln die Filme von Theo Angelopoulos. In seinem neuesten Film kehrt der U.S. - Star Harvey Keitel, der einen griechischen Regisseur spielt, in seine Heimat zurück. Er sucht nach verschollenen Bildern zweier griechischer Filmpioniere aus dem Jahr 1902. Er gerät in den Kessel von Sarajevo. Im Kern erzählt aber Angelopoulos seine Version der Odyssee, versetzt in die Gegenwart. Für den Regisseur Angelopoulos sind Troja und der Blick des Odysseus ebenso Gegenwart, wie die Umwälzungen in Rumänien oder das Sarajevo von heute. Er gilt als einer der letzten poetischen Realisten. Er selbst nennt sich einen "Archäologen" bezogen auf Film.