10 vor 11 vom 14.07.1997

Erdenglück und Schwarze Messe

Carl Maria von Webers FREISCHÜTZ unter Zubin Mehta und in der Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff in der Staatsoper Unter den Linden, Berlin
Wilddiebe wurden noch in Zeit unmittelbar nach dem 30jährigen Krieg in Deutschland auf den Rücken eines Hirsches geschmiedet und durch den Wald gejagt. Ein Deutscher Fürst von etwas modernerm Empfinden versprach einst seinen Leibjäger eine Belohnung, wenn er den Hirsch erschießt, ohne den gequälter Wilderer zu töten. Dieser FREISCHUSS gelang. Aber der Schütze wurde verdächtig, sog. Freikugeln, d.h. im Namen des Teufels gegossene Kugeln verwendet zu haben. Dieses ist der Ursprung des Opernstoffes, den Carl Maria von Weber unter dem Titel DER FREISCHÜTZ komponierte. Unter der musikalischen Leitung von Zubin Mehta und in der Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff hat die Berliner Staatsoper Unter den Linden den FREISCHÜTZ neu herausgebracht. Im Zentrum steht die Wolfsschlucht: deutscher Urwald, eine Gewitternacht, der ewige Jäger Samiel, das Bekenntnis zu bösen Kräften, und Blutopfer verdichten sich zu einer eindrucksvollen Schwarzen Messe. Webers Musik, sagt Zubin Mehta, ist die "Vorausmusik zur Dämonie Wagners". Ein spannendes und informatives Magazin.