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Kontinent der einsamen Herzen

Über den Männlichkeitsentwurf Australiens
Es ist wenig mehr als 200 Jahre her, dass der 5. Kontinent von Weißen besiedelt wurde. Zunächst waren das Strafgefangene, die aus England dorthin umgesiedelt wurden. Aus den begnadigten Gefangenen wurden Wanderarbeiter, sog. Bushmen, die sich der Frauen der Ureinwohner für ihre sexuellen Bedürfnisse bedienten und eine Art "Wildes australisches Innere" in Analogie zum "Wilden Westen" entwickelten. Fast nie zu Pferd, immer zu Fuß.

Autoren der Intelligenz haben nach der Schlacht von Galipoli (1916), in der australische Divisionen verbluteten, aus der Legende dieser "Buschmänner" das Männlichkeitsideal und die Vorstellung der australischen Nation entwickelt. Dies zu einem Zeitpunkt, in der die Grundlage für das Bild des einsamen, harten, unduldsamen und aggressiven Mannes, der nicht spricht, aber treu ist, in der wirtschaftlichen Fortentwicklung Australiens keine Grundlage mehr hatte.

Gerade aber die hohe Abstraktheit des australischen Lebensideals macht es für Globalisierungsstrategien des 21. Jahrhunderts besonders geeignet - nicht Wanderarbeit, nicht Wolle. Auch keine anderen der früheren Entwicklungen bilden für den 5. Kontinent die Hauptsache: die großen Vermögen liegen im Kommunikationssektor. So ist es kein Zufall, dass Rupert Murdoch, mit den knappen Idealen Australiens gerüstet, die Schlüsselgewalt über 2/3 des TV in der Welt besitzt.

Ein Gespräch mit Dr. Joachim Kersten