News & Stories vom 29.03.1999

"Weltbauen", ein Architektentraum der Moderne

Atlantropa - letzte Utopie des Abendlandes
Als Antwort auf die politische Katastrophe von 1918 und unter dem Eindruck von Oswald Spenglers DER UNTERGANG DES ABENDLANDES entwarf der Architekt Herman Sörgel eine gigantische, politisch-technische Architektur: die Vereinigung von Afrika und Europa zu einem einheitlichen Kontinent durch Absenkung des Mittelmeeres. Wird nämlich der Zufluss aus dem Schwarzen Meer bei Gallipoli durch einen Damm abgesperrt, so lässt sich der Spiegel des Mittelmeeres in 120 Jahren um 100 bis 200 m senken. Neues Land entsteht, Elektrizitätswerke an den Dämmen erwirtschaften ungeheure Energien. Über den Engpass Sizilien nach Nordafrika, der nur 66 km beträgt, führt eine Brücke. Die Sahara wird bewässert, das Kongobecken bildet ein neues Mittelmeer. Nationen, die eine solche Leistung erbringen, ("Volk ohne Raum nach Süden") führen keine Weltkriege mehr. Große Architekten der Moderne haben diesem Projekt zugearbeitet. Es steht in Zusammenhang mit Bruno Tauts ALPENARCHITEKTUR. Von diesem stammt der Ausdruck "Weltbauen". Dr.-Ing. habil Wolfgang Voigt, Architekt und Stellvertretender Direktor des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt a.M., hat in einer eindrucksvollen Publikation diese großzügigen, utopischen, aber nicht unrealistischen Planungen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts porträtiert.