Primetime vom 11.10.1998

Höllenfahrt der Selbsterkenntnis

Oskar Negt über den geheimnisvollen Königsberger Philosophen Johann Georg Hamann
Magus des Nordens wurde der Königsberger Philosoph Johann Georg Hamann genannt. Er war der Begründer der Bewegung des "Sturm und Drang". Er lebte als Rivale Immanuel Kants und alles in seinem Denken und Leben bildet das Gegenteil des großen Philosophen. Ihn interessiert das Leben, die Selbsterfahrung, das Dunkle und Verborgene. Herder, Goethe, Schelling, Nietzsche und Ernst Jünger haben ihn geliebt. Er lebte mit der Magd seines Vaters und hatte mit ihr vier uneheliche Kinder. Kant beschaffte ihm durch Protektion den Posten eines Lagerverwalters im Zollamt. Der Ruhm seiner Schriften war insbesondere bei jungen Menschen eine Zeitlang stärker als der von Kant. Einer seiner Schriften heißt: HÖLLENFAHRT DER SELBSTERKENNTNIS. Sie ist Immanuel Kant gewidmet, dem Hamann vorwirft, daß er Gefühl und Denken trennt, wenn doch die Vernunft und Aufklärung genauso in den Sinnen, dem Gefühl und dem wirklichen Leen steckt, wie in den Gedanken. Hamann ist Anti-Systematiker. Der Philosoph und Soziologe Prof. Dr. Oskar Negt über Johann Georg Hamann. Mit Musik von Alfred Schnittke.