News & Stories vom 30.05.1999

"Wenn Du mich anblickst, siehst Du Dich selbst"

Landkarte der Gefühle zu Beginn der Aufklärung
Im 17. Jahrhundert kommt es in der westeuropäischen Menschheit, parallel zum Entstehen der bürgerlichen Gesellschaft, zu einem Erwachen des Selbstbewußtseins (Autonomie). So wie ferne Länder kolonialisiert werden, wird das eigene Innere (das Subjektive) erobert und angeeignet. Es entstehen in Frankreich, ähnlich wie in einer Betriebswirtschaftslehre, Übersichten und Landkarten der Gefühle.

Die Aufklärung, sagt die Romanistin Dr. Ulrike Sprenger, beginnt emotional und ist begründet aus der Lust an anderen Menschen. Ein besonderes Ausdrucksmittel jener Zeit sind die Metaphern und Embleme. Sie zeigen in einem Bild auf möglichst abstruse und deshalb gedankenreiche Weise Lebenszusammenhänge. Eine der wichtigsten Metaphern ist der Spiegel: "Wenn Du mich anblickst, siehst Du Dich selbst". Eine Expedition in das Jahrhundert, in dem die Romane, die Fiction-Arsenale und der Realismus entstanden.