News & Stories vom 21.09.1998

Hochhuths Unwille gegen das Böse

Portrait eines selbstbewußten Konservativen
Unter den Dramatikern deutscher Sprache ist Rolf Hochhuth derjenige, der sich am direktesten in die Zeitgeschichte eingemischt hat. Hochhuths frühestes Drama DER STELLVERTRETER lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit darauf, dass die katholische Kirche nicht gegen den Holocaust einschritt; das Weissbuch der katholischen Kirche zum Holocaust macht das Drama jüngst erneut aktuell. Wenig später führte ein publizistischer Angriff des Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Filbinger dazu, dass Hochhuth mit einer kompakten Recherche über Filbingers Urteile als Marine-Richter antwortete. Die Auseinandersetzung darüber führte zum Sturz des Ministerpräsidenten.

In unserem Portrait berichtet Hochhuth von einer Reihe unbekannter Tatsachen: Emile Zola, der große französische Schriftsteller, wurde umgebracht; der Bildhauer Maillot wurde ermordet, anschließend wurde die Todesursache vertuscht. Effi Briest, die berühmte Romanfigur Theodor Fontanes, hatte ein wirkliches Vorbild: Frau von Ardenne, die bis 1942 lebte, ihr ist das neueste Stück Hochhuths gewidmet. Am 13.4.1945 starb Roosevelt, aber zugleich erschoss sich die Schwiegertochter Bismarcks auf dessen Gut Varzin in Pommern. Dies ist der Stoff eines Programplans von Hochhuth. Roter Faden im Gesamtwerk von Hochhuth ist ein substantieller Unwille gegen das Böse. Hochhuth kennt keine Rücksicht, wenn es um die Anprangerung von Unrecht geht.

Portrait eines selbstbewussten Konservativen.