News & Stories vom 10.11.1997

Der weite Weg von Ich zu den zehn Geboten

Mega-ICH und Teufelspakt
Egoismus gehört zur menschlichen Natur. Auch Fehlentwicklungen der menschlichen Persönlichkeit führen nicht zum Holocaust. Es gibt aber, sagt der Hirnforscher Prof. Dr. Detlef B. Linke, eine besondere Entgleisung des Ichs, die in Mitteleuropa tiefe Wurzeln geschlagen hat und dieses tödliche Egoid oder Mega-Ich gehört zu den Auslösern des Holocaust.

Ein Kongress unter Leitung von Prof. Dr. Detlef B. Linke befasste sich in Bonn mit der philosophischen Erforschung des Genozids und von Auschwitz: Kann Auschwitz durch Bildung unmöglich gemacht werden? Was sind die tieferen Gründe für die Erscheinungen, die Goldhagen bei den Deutschen analysiert hat? Wie verhalten sich die Mordszenen im 5. Akt von Goethes Faust, II. Teil und die dort beschriebene negative Utopie zu den gesellschaftlichen Katastrophen im 20. Jahrhundert? Welche Form der evolutionären Entgleisung des Hirns zwingt das Ich dazu, sich einen Doppelgänger einzubilden, diesen von sich abzutrennen und zu hassen, einen Stellvertreter dafür zu erfinden und diesen massenweise zu töten?

Die Wurzeln der Fehlkonstruktion, sagt Prof. Linke, sind mit der Herausbildung eines Mega-Ichs und einer verfehlten "Ichsetzung" verbunden, die das von Natur aus auf Balance begründete Verhältnis zum ANDEREN auf Logik und auf gegenseitige Vernichtung gründet. Von diesem entgleisten Ich ist es ein weiter weg bis zu den 10 Geboten.

Zum 9. November.