Primetime vom 28.06.1998

Macht gründet auf Mord

Rolf Hochhuth über die Ausrottung aller direkten Nachkommen des Kaisers Augustus
In seinem Buch JULIA ODER DER WEG ZUR MACHT beschreibt der Dramatiker Rolf Hochhuth die Ermordung aller direkten Nachkommen des Kaisers Augustus durch deren Stiefmutter, bzw. Stiefgroßmutter. Der Kaiser Augustus hatte, nachdem er das Testament Ceasars zu seinen Gunsten fälschte, allmählich die Macht des ganzen Römischen Reiches in seiner Person versammelt. Dennoch konnte er weder seine Kinder, noch seine Enkelin Julia schützen. Dieses grässliche Geschehen wird von Tacitus dokumentiert. Der große Historiker Mommsen dagegen sagte der Leseart, Julia sei wegen Unzucht verbannt und wegen ihres Liebeslebens umgebracht worden. Dies ist die staatstragende Version, denn mit der Machtballung der Römischen Kaiser beginnt der moderne Staat. Kann solche Macht auf Mord gegründet sein? Noch nach 2000 Jahren bringt die Ungerechtigkeit dieser Vertuschung das dramatische Temperament von Rolf Hochhuth zur Weißglut. Nach seiner Anklage gegen die Untätigkeit der Päpste während der Holocaust im STELLVERTRETER und nach seinem Beitrag zum Sturz des Ministerpräsidenten Filbinger gilt sein nächster Vorstoß der Rehabilitierung von Julia, der Enkelin des Kaisers Augustus.