Eigensinn der Arbeitskraft

Flügelartige Bewegungen mit den Armen
Marianne Herzog beschreibt eine Röhrenschweißerin, die nach etwa 30 Schweißungen jeweils eine ausholende flügelartige Bewegung mit ihren Armen macht, um in die funktionelle Arbeit an weiteren etwa 30 Röhrenteilen einzutreten. Für sie als Person wirklich (also Lebenslauf) ist die ausholende Bewegung das übrige in unwirklich. Ein Arbeitsvorgang von Frau Heinrich dauert 9 Sekunden: einen Fuß in die Hand nehmen, eine Strebe mit der Pinzette greifen, die Strebe an den Fuß schweißen. Den gleichen Vorgang mit der zweiten Strebe und anschließend den fertigen Fuß in den Kasten legen. Um das auszuhalten, hat Frau Heinrich im Laufe der Akkordjahre ihre Bewegungen innerhalb der Möglichkeiten des Akkords ausgedehnt, sie hat ein paar Bewegungen dazu erfunden und schafft trotzdem noch den Akkord. Mit den Händen nimmt sie nicht nur das Material auf und schweißt es unter der Elektrode zusammen, sondern Frau Heinrich breitet die Arme aus wie im Flug dann zieht sie sie wieder ein und nimmt dabei, als käme sie rein zufällig daran vorbei, das zu schweißende Material in beide Hände und wippt während sie es aufnimmt, mit dem Körper nach und tritt mit dem Fuß drei- bis viermal auf das Fußpedal und schweißt dann das erste Teil an. Dann wieder Ausbreiten der Arme, das Frau Heinrich als Schwungholen für ihren Akkord nutzbar macht, sonst bliebe das Schwungholen eine überflüssige Bewegung, und Frau Heinrich könnte sie sich nicht leisten.