10 vor 11 vom 22.12.1997

Im Dickicht des Lichts

Das poetische Format des elektromagnetischen Zeitalters
Es entspricht der Lebenserfahrung, dass die Dichtung und die Künste, um einige Jahrzehnte versetzt, dem Wechsel des technischen Zeitalters folgen. So folgte dem Zeitalter der Entdeckung in der Renaissance die Entdeckung der Zentralperspektive. Für die Literatur bedeutet das: Durchblick, Klarheit, Horizont, geformter Stil. Das elektromagnetische Zeitalter hatte eine kurze Herrschaft: 1870 bis 1947 (Glühlampe, Radio, Lorentz-Transformation); heute ist es schon überlagert durch das Zeitalter der Chips und Computer. Aus der gegenüber der Perspektive radikal anders strukturierten elektromagnetischen Vorstellungswelt entstanden und entstehen neuartige poetische Formate. Sie folgen den Stichworten: fließen, oszillieren, strahlen, modulieren, abschalten und sich tarnen. Das beginnt mit den Wortströmen von James Joyce und endet keineswegs mit Paul Klees Flugzeugbemalungen. Auf dieser Formenwelt, sagt der Diskursforscher Dr. Bernhard Siegert von der Humboldt Universität, Berlin, wird der poetische Ausdruck des 21. Jahrhundert basieren.

Informativ und brillant. Passend zu allen Lichtern des Advents.