Prof. Dr. Gerd Gigerenzer: "Blinde Flecken" im Bildungssystem von heute

Orientierung in unsicherer Welt

Risiko ist keineswegs dasselbe wie Unsicherheit. Zu Risiken kann ich eine Abwägung treffen. Unsicherheit bedeutet, dass ich etwas überhaupt nicht wissen kann. Die moderne Welt ist voller solcher Unsicherheiten.


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Risiko ist keineswegs dasselbe wie Unsicherheit. Zu Risiken kann ich eine Abwägung treffen. Unsicherheit bedeutet, dass ich etwas überhaupt nicht wissen kann. Die moderne Welt ist voller solcher Unsicherheiten. Wie kann man sich orientieren? Dies sind Fragen, die sich auch an das Bildungssystem richten. Der klassische Charakter der Intelligenz, auf den unsere Bildungssysteme ausgerichtet sind, wird nicht dafür ausgebildet, schnelle und treffsichere Entscheidungen zu fällen. Gegenüber einer Inflation von Eindrücken und massiver Unsicherheit ist es notwendig, sich auf den wesentlichen Punkt zu konzentrieren und alles andere zu ignorieren. Diese "Kunst des Ignorierens" will gelernt sein. Tausenderlei Wissen hilft wenig. Es kommt heute, sagt Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, auf gute Intuition und Heuristik ("die Kunst, mit begrenztem Wissen und wenig Zeit zu guten Lösungen zu kommen") an. Ärzte, Richter und jeder Staatsbürger stoßen mitten im Leben auf die Notwendigkeit, sich in dieser Hinsicht neu zu orientieren und den Bildungsprozess zu ergänzen, der aus ihrer Jugendzeit kommt und nicht mehr genügt: Das ist die Stunde der Erwachsenenbildung. Prof. Dr. Gerd Gigerenzer ist Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Er ist Herausgeber und Autor des Standardwerks "Heuristics". Es geht um Orientierung in einer Welt der Unsicherheit. Spannend und informativ.

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