Nobelpreisträger für Literatur

Ich bin der Mann des grotesken Realismus

Ich könnte, sagt Kenzaburo Ôe, vor Verzweiflung oder vor Lachen sterben.


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Als er 1994 aus Stockholm den Anruf erhielt, ob er den Nobelpreis annehme, war sein hirngeschädigter Sohn am Telefon und antwortete: Nein, danke. In dem Buch, an dem er gerade schreibt, geht es um einen Sektenführer in Japan (ein Sektenführer war für die U-Bahn-Giftattentate verantwortlich). Er erkannte sich in einem anderen Menschen wieder und es ist nicht sicher, ob die verschiedenen Individualisten, sagt Kenzaburo Ōe, nicht durch unterirdische Flüsse miteinander verbunden sind. Verknüpft ist auch die Realität mit dem Antirealismus des Gefühls. Ich könnte, sagt Ōe, vor Verzweiflung oder vor Lachen sterben. In seiner Erzählung DER STOLZ DER TOTEN (man kann auch übersetzen: "Schamlosigkeit, Üppigkeit, Luxus, Macht der Toten", die japanischen Schriftzeichen sind vieldeutig) geht es um einen Studenten und eine Studentin, die in der Anatomie Leichen in verschiedene Becken sortieren. Der "groteske Realismus", für den Ôe ausdrücklich den Nobelpreis erhielt, kommt zustande, weil Ôe die Risse im Gebälk der Wirklichkeit niemals zukittet. Mao Zedong und Sartre hat Ôe persönlich gekannt. Ein Gespräch von ungewöhnlichem Unterhaltungswert.

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