Eine ungewöhnliche Inszenierung

DIE FLEDERMAUS ohne Plüsch

Zu den rebellischen Regisseuren in Deutschland, die nicht langweilen, zählt Frank Castorf. Er ist Intendant der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. In Hamburg hat er DIE FLEDERMAUS von Johann Strauß inszeniert.


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Zu den rebellischen Regisseuren in Deutschland, die nicht langweilen, zählt Frank Castorf. Er ist Intendant der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. In Hamburg am Deutschen Schauspielhaus hat er DIE FLEDERMAUS von Johann Strauß inszeniert. Aber wie? Die Hälfte der Zuschauer hat gebuht, die andere Hälfte war extrem begeistert. Das berühmte Champagnerstück ist umfunktioniert für Trompete, Klavier und elementares Theater. Aller Plüsch ist wegoperiert. Eine Rotte hochbegabter Schauspieler bringt ein Stück zustande, in dem die Gaskammer, das Gefängnis, die Ballnacht und das Ende des 20. Jahrhunderts Tür an Tür leben. Verblüffenderweise wird die Musik mit den Stimmen der Schauspieler, dem hohen Balance- und Improvisationsgrad erst wirklich schön. Frank Castorf über seine Gewohnheiten beim Inszenieren, den Zusammenhang von Kunst und Charakter, seine Inszenierung von Gerhart Hauptmanns DIE WEBER, Hebbels NIBELUNGEN. Johann Strauß nennt er einen nach Süden verrutschten Strindberg, so zersetztend und für das Subjektive im Menschen aufschlußreich sind die meisten Inszenierungen Castorfs, auch wenn er sich für Psychologie nicht interessiert. Spannend, aufregend und informativ.

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