Das Transatlantikkabel von 1858

Der erste Draht zur Neuen Welt

Der Kulturhistoriker Christian Holtorf beschreibt am Beispiel des Projekts von 1858 einen Typus des frühkapitalistischen Elans: erst etwas machen, danach es verstehen. Dann aber weitermachen!


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Eine Gruppe von Finanziers und Spekulanten ließ nach achtjähriger Vorbereitung im Jahre 1858 von Irland nach Neufundland das erste transatlantische Kabel verlegen. 4.000 Tonnen Gesamtgewicht. Die zwei größten Kriegsschiffe der Welt waren die einzigen, die es fertigbrachten ein solches Kabel zu verlegen. Der Kulturhistoriker Christian Holtorf beschreibt an diesem Beispiel einen Typus der frühkapitalistischen Elans: erst etwas machen, danach es verstehen. Dann aber weitermachen! Die bis dahin unbekannten Abgründe des Atlantikbodens, aber auch das Missverständnis der Elektrizität als eine Strömung wie in einer Wasserleitung oder in den Adern eines Körpers, führte dazu, dass das die telegrafischen Übermittlungen schlecht funktionierten. Dann verstärkte man die elektrische Dosis und das Kabel stellte seinen Dienst völlig ein. Die letzte Nachricht lautete: „Endlich ist die Übertragung gelungen“. Mitten in diesem Signal brach der Kontakt ab. Bis heute verbinden große Kabel die Kontinente der Welt. Die Übertragungsgeschwindigkeiten liegen knapp unter der Lichtgeschwindigkeit. Aber immer noch gibt es die winzige Differenz zur „Weltgleichzeitigkeit“, die den materiellen Anker bildet. Bedeutende Physiker wie Faraday und der spätere Lord Kelvin waren an der Entwicklung des ersten Transatlantikkabels beteiligt und haben die Erfahrungen des Fiaskos ausgewertet. „Macht mehr Fehler, wie wollt Ihr sonst lernen!“ Prof. Dr. Christian Holtorf, Universität Coburg, berichtet. Spannend und informativ.

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