Gespräch mit Pierre Boulez über Opernentwürfe von Heiner Müller

Das Ruinengesetz in der Musik

Für Pierre Boulez steht fest, dass nur ein gewisses Maß von Zerstörung der traditionellen Oper ein radikales, modernes Musiktheater möglich macht. Man muss in der Musik die Ruinen nicht fürchten.


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Pierre Boulez, einer der großen Dirigenten und Komponisten unserer Zeit, hat bisher keine Oper geschrieben. Heiner Müller entwickelte vor seinem Tod mehrere Entwürfe für ein Opernlibretto für Pierre Boulez. Ansatzpunkt war für Heiner Müller dessen TRISTAN und ISOLDE Inszenierung in Bayreuth und die Eindrücke aus dem japanischen Bunraku-Theater, in dem Marionetten die Hauptrollen spielen, die Marionetten-Führer sprechen und im Hintergrund Sänger und Musiker Musik machen: die klassische Oper in ihre Elemente zerlegt. Für Pierre Boulez steht ebenfalls fest, dass nur ein gewisses Maß von Zerstörung der traditionellen Oper ein radikales, modernes Musiktheater möglich macht. Man muss in der Musik die Ruinen nicht fürchten. Jede Orchesteraufführung, sagt er als Dirigent, ist bereits eine Ruine. In der Musik gilt das Ruinengesetz: aus dem freigelegten Material ensteht das Neue.

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