Immanuel Kants Jahrhundert: Disruption und Aufklärung

Auswege aus dem Kerker

Von Leibniz über die fulminanten Neugründungen der Universitäten Göttingen und Halle bis hin zur Guillotine der Schreckenszeit in der Französischen Revolution.


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In den Berlinischen Monatsschriften erschien 1784 der legendäre Essay von Immanuel Kant "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?". Nach Kant geht es bei diesem Projekt um den "Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen". Wie umstritten eine solche Mutprobe war, zeigt sich darin, dass in derselben Zeitschrift sich das Gedicht findet von "Hans Affe". Dieser Affe hat den Wald, in dem er lebt, in Brand gesetzt und somit "aufgeklärt". Das 18. Jahrhundert, das als Zeitalter der Aufklärung gilt, ist genauso die Zeit des Siebenjährigen Kriegs, der rabiaten industriellen Revolution und am Ende der Großen Französischen Revolution, also eine Zeit der DISRUPTION ("schöpferischen Zerstörung") wie unser 21. Jahrhundert. Auch in der Aufklärung selbst kann man subtile, langsame Prozesse der Neuerung beobachten und gleichzeitig den rabiaten Umsturz. Nach Auffassung des aufgeklärten Poeten Herder gehört Immanuel Kant, den er den "Alleszermalmer" nennt, zu den unruhigen Geistern der philosophischen Disruption. Unsere Gegenwart mit ihrem Hang zum Postfaktischen und Obskuren, mit Präsident Trump auf der einen Seite und einer Fülle offener, neugierig-machender Herausforderungen auf der anderen Seite, hat mehr Ähnlichkeit mit dem 18. Jahrhundert als wir ahnen. Prof. Dr. Steffen Martus, Humboldt Universität Berlin, über Immanuel Kants Jahrhundert: Von Leibniz über die fulminanten Neugründungen der Universitäten Göttingen und Halle bis hin zur Guillotine der Schreckenszeit in der Französischen Revolution.

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