Tschernobyl und die große Finanzkrise

Angriff der Zukunft auf die Gegenwart

Niemand kann alle Folgen seines Handelns absehen - erst recht nicht bei komplexen Technologien und Systemen. Fehler oder Unfälle können daher zu unvorhersehbaren Konsequenzen führen. Mit Jakob Arnoldi


Video anzeigen
Die große Finanzkrise wird vielfach mit dem Crash von 1929 verglichen. Näher liegt der Vergleich z.B. mit dem Zusammenbruch der Bank Bear Stearns oder Lehman Brothers mit der Havarie des Kernkraftwerke Tschernobyl oder Harrisburg. In diesem Zusammenhang ist zu unterscheiden zwischen Risiken, die durch Wahrscheinlichkeitsrechnung und die Mathematik des Grenzwertsatzes näher bestimmt werden können, und purem Nichtwissen, das mit keinerlei mathematischen Formeln oder geschäftlichen Tricks ausgeglichen werden kann. Der Soziologe Jakob Arnoldi sagt: Die tiefere Ursache der Finanzkrise liegt im System der Ausgrenzung des sog. "Framing". In überkomplexen Technologien müssen Teile der Realität unbeachtet bleiben, damit überhaupt gehandelt werden kann. Was aber dabei ausgegrenzt wird, unterliegt bisher keiner hinreichenden Aufmerksamkeit. Wenn es in diesen Bereichen zu Fehlern oder Unfällen kommt, dann sind die Konsequenzen unvorhersehbar. Die Forschungen von Niklas Luhmann (­Kritische Systemtheorie) und Ulrich Beck (Risikotheorie) sind hier grundlegend.

Teilen auf Facebook Teilen auf Twitter Teilen auf Google+

Verwandte Themen

Beteiligte Personen

Embed